Ein Streifzug durch die Geschichte der Stadt Borna

Die Stadt Borna liegt zu beiden Seiten eines kleinen idyllischen Flusses,  der Wyhra. Von Süden her schiebt sich das Grün der Wyhraaue fast bis an das Stadtzentrum heran und im Norden setzt sich die Aue gleich hinter der Stadtmauer fort. Durch diese grüne Lunge wird die Stadt in zwei annähernd gleiche Gebilde geteilt. Die etwas ungewöhnliche Ausbildung des Weichbildes der Stadt ist nur aus der Geschichte erklärbar.

 In der Frühzeit der Siedlungsentwicklung bestanden zwei Siedlungszellen. Die eine heißt heute "Altstadt" und die andere, jenseits des Saubaches, hieß "Wenigenborn". Etwa seit dem 9. Jahrhundert ist auch mit der Wasserburg auf dem Gelände der "Schloßwiese" zu rechnen. Später besaßen diese Burg die Herren von der Jahne. In ihrem Schutze entwickelte sich schon in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts eine frühstädtische Anlage. Ihr Markt war der heutige Königsplatz. Vielleicht schon in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde der einzige Wyhraübergang (am heutigen Volkshaus) durch eine weitere Burg geschützt. Im Schutze dieser markgräflichen Anlage entwickelte sich ein weiteres Siedlungszentrum in mehreren Stufen. Dieses Stadtgebiet macht heute den Eindruck einer planmäßigen Stadtgründung. Die erste sichere urkundliche Erwähnung der Stadt Borna stammt aus dem Jahre 1251. Zu dieser Zeit war Borna stark befestigt. Schwere Zerstörungen erlitt Borna aber jedesmal in den vielen Kriegen.

1467 erwarb der Rat die Obergerichte. Im Bruderkrieg der Markgrafen von Meißen wurde das Stadtschloß so stark zerstört, daß es nicht wieder aufgebaut wurde. Unter anderem entstand auf diesem Grundstück die "Gaststätte zum goldenen Stern". 1491 wird sie vermutlich als "Herberge am Markt" erwähnt. Bis heute ist sie fast unverändert erhalten geblieben. Am Ende des 15. Jahrhunderts erwarb die Stadt auch noch das Schloß der Herren von der Jahne.

Im Mittelalter war die Stadt Mittelpunkt eines rein landwirtschaftlichen Gebietes. Hier entwickelten sich Schuhmacherei, Zeugmacherei und Töpferei. Später kam noch die Feldgärtnerei dazu. Zwiebeln und Gurken waren die bekanntesten landwirtschaftlichen Produkte der Stadt. Seit 1800 begann man in Borna mit dem Abbau von Braunkohle. Von nun an wurde der Stadt eine industrielle Entwicklung beschieden. War sie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch ein ruhiges Landstädtchen mit Beamten und Militär bestimmendem Bild, so dominierten am Ende dieses Jahrhunderts die vielen fremden Arbeiter der Braunkohlenindustrie. Handwerk und Industrie veränderten sich grundlegend. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren in Borna auch Orgel-, Klavier- und Harmoniumbau angesiedelt. Es gab Ziegeleien, die den Lehm der Wyhraaue verarbeiteten. Eine Eisengießerei und zwei Druckereien waren seit der Jahrhundertwende vorhanden. Aber im Verlaufe des 20. Jahrhunderts wurde der Bergbau zum alles Bestimmenden in der Stadt. In Borna lebten zahlreiche bedeutende Leute, z. B. Dinter, Seume und Külz.

Nach der Jahrhundertwende dehnte sich die Stadt schnell aus. Zuerst wurde der Westen in Richtung Bahnhof ausgebaut. Dann erfolgten Siedlungsbauten nach Südwesten und in der Nähe der Kaserne. Hinter dem Breiten Teich entstand Neu-Witznitz, und hinter der Witznitzer Kippe entwickelte sich seit den fünfziger Jahren der Stadtteil Borna-Nord. Später kamen die Neubaugebiete Am Hochhaus, Borna-Ost, Borna-Südwest und die "Paul-Paschke-Straße" (heute: "An der Wyhra") hinzu. Mit dem Gnandorfer Neubaugebiet wurde die Landschaft der Wyhraaue in Stadtnähe zerstört und die Innenstadt entvölkert.

Nach 1990 hat besonders in der Innenstadt eine gewaltige Bautätigkeit eingesetzt. Seitdem wurde das Bürgerhaus "Goldener Stern", das Rathaus, das Gebiet hinter dem Rathaus (ehemals Hasenwinkel), der Markt, die Bahnhofs- und die Reichsstraße, um nur einige zu nennen, wieder aufgebaut oder rekonstruiert. An der Bundesstraße 93 in Richtung Altenburg hat die Stadt ein großes Gewerbegebiet errichtet. Nach fast tausendjähriger Amtsgeschichte ist Borna mit einer Unterbrechung von vier Jahren wieder Kreisstadt. Denkmale von überregionaler Bedeutung sind der spätgotische Schnitzaltar in der Stadtkirche, die Kunigundenkirche als romanischer Bau, das Bürgerhaus Roßmarktsche Str. 1 und der Goldene Stern. Die Wahrzeichen des vorigen Jahrhunderts, Bergmann, Reiter des Karabinierregiments und Zwiebelfrau sind an einem Gebäude aus den dreißiger Jahren, dem sogenannten Zwiebelhaus, angebracht.

Auf der Grundlage der Erstnennung Bornas 1251 als Stadt feierte sie im Jahre 2001 ein großes Heimatfest anlässlich ihres 750jährigen Bestehens.

Reichstor

Das Reichstor ist das einzige erhaltene von ursprünglich vier Stadttoren, die die Straßenzugänge zur Stadt bewachten. Es wurde 1723 auf den Grundmauern seines Vorgängers nach Plänen des sächsischen Generalakzisebaumeisters Æ Naumann errichtet. Direkt an der Südseite des Reichstores stand seit 1560 das Kornhaus (später Malzhaus) mit dem Treppenaufgang zum Turm. Es wurde 1882 abgebrochen, was umfangreiche bauliche Veränderungen im Turm und dem nördlich anschließenden Torwärterhaus zur Folge hatte. Die Turmstuben erfuhren im Laufe der Zeit unterschiedliche Nutzungen: sie waren Arrest, Wachlokal für Bürgerwehr, Gewitterwache und Wohnungen. Im November 1938 war der 16-jährige Sohn des jüdischen Kaufmanns Rose, Siegfried Rose, hier eingesperrt.

Stadtkirche St. Marien

Trotz ihres 36 m hohen Kirchturmes hat es die Bornaer Stadtkirche St. Marien schwer, sich im Stadtbild zu behaupten. Die unteren Geschosse des mächtigen Breit-West-Turmes stammen aus der Zeit um 1230. Sie sind damit einige Jahrzehnte älter als die früheste schriftliche Nachricht über Borna als städtisches Gemeinwesen. Am südöstlichen Pfeiler des Chorraumes verkündet eine Inschrift davon, dass für die Kirche im Jahre 1411 der Grundstein gelegt worden ist. Aus der Überlieferung des alten Stadtbuches von Borna wissen wir, dass 1434 mit Meister Hans Wolffhart aus dem Frankenland der Gedingevertrag zur Fertigstellung des Chores abgeschlossen wurde. Eine besondere Kostbarkeit aus dieser Werkstatt sind im Chorraum innen die Konsolen auf denen die Gewölberippen ruhen. Sie sind teils mit Tierfiguren, teils mit biblischen Szenen reich geschmückt. Für den Bau der Pfeiler und des Gewölbes wurde 1455 Meister Moysses aus Altenburg verpflichtet.

Am 16. Oktober 1456 fand die Einweihung der Kirche statt. Eine Tafel an der Westseite verkündet, dass der Turm knapp Hundert Jahre später seine oberen Stockwerke erhielt. 1963 bis 1967 wurde durch das Institut für Denkmalpflege der Kirchenraum in den ursprünglichen Zustand versetzt. Die neugotische Ausgestaltung des Jahres 1968 entfernte man, um den kostbaren spätgotischen Flügelaltar um so deutlicher wirken zu lassen, der in den Jahren 1511/12 für diese Kirche geschaffen wurde. Er ist ein Hauptwerk des im obersächsischen Raum tätig gewesenen Bildschnitzers Hans Witten. Einmalig in der Kunstgeschichte ist das große Relief des Mittelschreins mit der Begegnung von Maria und Elisabeth. Die Seitentafeln zeigen weitere Szenen aus dem Marienleben; die erste Wandlung berichtet in Halbreliefs aus der Kindheit Jesu. Die zweite Wandlung enthält auf Tafelbildern eines unbekannten Malers die Leidensgeschichte Jesu bis zu seiner Auferstehung.

Ein Denkmal aus jüngerer Zeit ist die Kreutzbachorgel, die im November 1983 hier eingeweiht wurde. Urban Kreutzbach (1796-1868) baute sie 1849 für die Dorfkirche Mochau. Wegen Teilabbruch des Kirchenraumes mußte sie dort aufgegeben werden. Nach gründlicher Restaurierung, mit einem neuen, edlen Zinnpfeifenprospekt versehen und umkleidet von einem Gehäuse aus der Tischler-PGH Borna (Entwurf: Architekt Gonschor, Dresden), wurde sie durch die Orgelbaufirma Jehmlich wieder zum klingen gebracht. Klingen, rufen, mahnen - dieses Amt versehen zwei Glocken der Stadtkirche seit vielen Jahrhunderten.

Kunigundenkirche

Mit der Kunigundenkirche, einer romanischen Basilika ohne Turm und Glocken, aus heimischem Backstein, um 1170 erbaut, besitzt die Stadt Borna eine Urkunde seiner Existenz die haltbarer ist, als jedes Pergament und Siegel. Ihre Vergangenheit steht in Zusammenhang mit den frühesten Anfängen von Borna, nämlich einer Kaufmannssiedlung im Bereich des heutigen Königsplatzes.

Seit Mitte des 16. Jahrhunderts wurde die Kunigundenkirche als Begräbniskirche genutzt. Ihr Kirchhof war Bornas Friedhof bis 1876. Der 1924 angelegte Ehrenhain, mit seinen über 250 Porphyrkrenzen erinnert an die Bornaer Gefallenen des 1. Weltkrieges.

Wyprechtskirche

Die Dorfkirche Eula - eine der ältesten in Sachsen - steht auf einer leichten Anhöhe und grüßt schon von weiten rechts und links der B 95 ins Land.

Ihre Geschichte ist eng mit Wiprecht von Groitzsch verbunden. Er kam der Sage nach auf einer seiner Fahrten zwischen Leisnig und Groitzsch durch das Dörfchen Yla, fand dort ein armseliges Holzkirchlein vor und ließ auf seine Kosten eine steinerne Kirche erbauen. Das soll im Jahre 1106 gewesen sein.

Reste dieser uralten Kapelle werden im Altarraum vermutet; ihren spätgotischen Charakter erhielt die Kirche im 15. Jahrhundert. Im Innern birgt die nach ihrem Förderer benannte Wyprechts-Kirche eine Orgel des Bornaer Orgelbaumeisters Urban Kreutzbach aus dem Jahre 1859 mit zwei Manualen und 18 klingenden Stimmen.

Katholische Kirche St. Joseph

Mit dem Anwachsen der Braunkohlenindustrie um 1900 und dem damit verbundenen Zuzug vieler Arbeitskräfte aus katholischen Landesteilen Deutschlands - vorwiegend aus Bayern und Schlesien - lebte die katholische Gemeinde Borna wieder auf. Die Zahl der Katholiken wuchs so an, dass der Wunsch nach einem großen eigenen Kirchenraum dringend wurde. Nach dem 1. Weltkrieg verlor das ehemalige Offizierscasino der Bornaer Karabiniers, welches 1903 erbaut wurde, an Bedeutung.

Es wurde von der katholischen Gemeinde erworben, umgebaut und am 5. Oktober 1919 als katholische Kirche geweiht. Durch mehrere Um- und Ausbauten wurde das Gebäude modernisiert und steht heute für das Gemeindeleben der Christen zur Verfügung.